Mittwoch, 5. Oktober 2016

{Rezension} Für dich soll's tausend Tode regnen

Amüsant und gleichzeitig einfühlsam

Titel: Für dich soll's tausend Tode regnen
Autor: Anna Pfeffer
Verlag: cbj
Erschienen: 12.9.2016
Formate: Ebook 11,99 € / Klappenbroschur 14,99 €
Seitenzahl Print: 320 Seiten
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"Es gibt drei Dinge, die du über den Tod wissen musst: Er ist unbeliebt, unausweichlich und manchmal verarscht er dich."

Wer Emi auf die Nerven geht, dem verpasst sie in Gedanken eine Todesart. Und seit dem Umzug weiß sie nicht, wer mehr nervt: die Neue ihres Vaters, die sich ernsthaft in der Mutterrolle sieht, ihr Strahlemann von Bruder, der das auch noch gut findet (stirbt bestimmt mal, weil er auf seiner Schleimspur ausrutscht), oder Erik, Alphatier an ihrer neuen Schule, der einen auf cool macht und sie ständig provoziert (stirbt garantiert an einem Hirntumor wegen übermäßigen Handykonsums). Als sie sich in Chemie mit Alpha-Erik anlegt, kracht es wortwörtlich zwischen den beiden. Die Strafe dafür sind acht Samstage Graffiti schrubben. Mit Erik! Kann das Leben noch beschissener sein? Um aus der Nummer rauszukommen, schlägt Emi einen Wettstreit vor. Doch Erik ist nicht kleinzukriegen. Emi wünscht ihm tausend Tode an den Hals, bis sie merkt, dass es gar nicht so nervig ist, Zeit mit Erik zu verbringen …

"Ich blieb in einigem Abstand Abstand zu Mara, Oliver und meinem Vater stehen und versuchte, mich weniger als Außenseiter in meiner eigenem Familie zu fühlen"

Neues Haus, neuer Wohnort, neue Schule, norddeutsches Wetter, Menschen die den ganzen Tag Moin Moin sagen und denn noch die neue Freundin ihres Vaters. Emis Leben ist in ihren Augen ein großer Klumpen Mist. Aber sie weiß damit umzugehen, in Gedanken verpasst sie den Menschen, die ihr begegnen eine Todesart. Sie ist genau das Gegenteil ihres Strahlemann Bruders, dem all die Veränderungen nichts aus zu machen scheinen. Sie sieht sich selbst als Freak, als Einzelgänger, als das Mädchen mit dem schwarzem Buch.
Als sie denn auch noch mit ihrem verhasstem Klassenkameraden Erik ein explosives Erlebnis teilt, darf sie 8 Samstage an seiner Seite Graffitis wegputzen.
Als ob das nicht schlimm genug wäre, merkt Emi das Erik vielleicht doch gar nicht so zum kotzen ist und man selbst in Hamburg etwas Spaß haben kann.

"Wenn das Leben ein Spiel war, denn eines von der sadistischen Sorte"


Emi ist auf ihre ganz eigene, negative, sarkastische Art mit skurrilen Gedankengängen sympatisch. Sie ist erfischend negativ und dabei liebenswert und humorvoll.
Aber nicht nur Emi sondern alle Figuren in der Geschichte sind so ausgearbeitet, dass keine blass erscheint im Gegensatz zur Hauptprota, sondern alle total lebendig und realistisch erscheinen, es ist nichts übertriebenes oder hochgeputschtes. Besonders der Vater und der Bruder sind immer für einen Lacher gut.
Erik sollte einem am Anfang eigentlich unsympatisch sein, aber ich war direkt hin und weg von ihm, weil man einfach beim lesen schon merkt, dass da einfach mehr hintersteckt. Die Dialoge zwischen im und Emi wechseln von humorvoll zu tiefgehender auf sarkastisch bissiger Basis.

Der Schreibstil ist locker und angenehm leicht, es liest sich so weg. Humor wechselt sich mit leichter Tiefgründigkeit und Problemen ab wobei die verschiedenen Gefühlsebenen so beschrieben sind, dass man sie nachvollziehen kann. Man liest die Gefühle nicht nur man fühlt sie mit. Ich konnte mich total in Emis Gedanken und handeln rein versetzten. Man merkt nicht das ein Autorenduo hier am Werk war alles ist so stimmig und hat seine ganz eigene Handschrift, die beiden scheinen super zu harmonieren.

Die Idee mit den Todesarten hatte mich vom Klappentext am meisten überzeugt und sie sind wirklich gut und witzig, teilweise verrückt aber sie peppen die Geschichte einfach auf.
Das Buch ist übrigens sehr interessant gestaltet, die Blätter haben einen schwarzen Rand, wie bei Todesanzeigen, was das Buch zugeklappt auch so aussehen lässt als hätte es schwarze Seiten.


"Wenn es einen Gott gab, hatte er einen ziemlich schrägen Sinn für Humor"


Es ist ein lustiger Roman mit einer skurrilen aber herzlichen Protagonistin, der sich locker und leicht weg lesen lässt. Locker lustige Szenen wechseln sich im perfektem Spiel mit tiefgehenden Gefühlen ab, ohne das es zu übertrieben kitschig oder schwer wirkt oder einen depressiv werden lässt, bei all den Toden. Es macht einfach unheimlich Spaß zu lesen.

Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit, die beiden Autorinnen hinter dem Pseudonym Anna Pfeffer, sind seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Wien befreundet. Schon damals entwarfen sie Geschichten, die aus Lehrern paranoide Agenten und aus Mitschülern tragische Helden machten. Heute leben sie in Hamburg und Wien, sind zusammen 71 Jahre alt, haben zwei Männer, sechs Kinder und einen Hund und schreiben noch immer zusammen. „Für dich soll’s tausend Tode regnen“ ist ihr erster Jugendroman.
Quelle: Random House

  

Kommentare:

  1. Hi^^

    Irgendwie erinnert mich das mit den Todesarten an Death Note - allerdings will ich jetzt nicht sagen, dass das ein Klon wäre, das wäre gelogen. Auf jeden Fall klingt es sehr interessant, denke mal, meine Bücherliste verzeiht mir das eine Buch mehr ;-)

    Lg,
    Kira

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    1. Hey Kira :)
      Nein, mit Death Note hat das ganze garnichts gemeinsam , ja bekommen sie ja nur in Gedanken Tode verpasst und kein fanatischer Teenager rennt mit dem Death Note rum und spricht mit Shinigamis :)
      DN is aber einer der besten Animes die ich je gesehen habe :)

      Liebe Grüße
      Kira

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