Sonntag, 24. April 2016

Fantastische Ostern Chatinterview Dieter Paul Rudolph oder Papa Bär im Hühnerstall

Die Fantasygirls sind ein gemeinnütziges Projekt, dass jungen Autorinnen eine Chance gibt. Sie begleitet und sie unterstützt. Fair und Herzlich unterstützt Dieter Paul Rudolph seine Mädchen. Gibt ihnen Tipps und baut sie auch mal auf wenn es sein muss. Ich durfte mich mit ihm unterhalten und habe einiges über Ihn und seinen verrückten Haufen für euch in Erfahrung gebracht. H: Hermine Dpr: Dieter Paul Rudolph


H: Erstmal vielen Dank das Du dir Zeit nimmst für das Fantasygirls Osterwochenende.
Bevor wir aber zu dem Projekt Fantasy Girls kommen stell dich doch bitte selbst einmal vor.
DPR: Gerne. Ich heiße Dieter Paul Rudolph, Jahrgang 1955, studierter Germanist, bis vor Kurzem auch noch gelegentlich als Multimedia-Entwickler tätig, aber sonst freier Schriftsteller, Lektor, Herausgeber und noch einiges mehr. Ich schreibe vor allem Krimis und hab acht Jahre lang ein ziemlich erfolgreichen Krimiblog geführt, war Herausgeber der "Krimijahrbücher" und bin seit 2013 mit dem Fantasygirls-Projekt aktiv.
H: Denn stell uns doch bitte mal das Fantasygirls - Projekt vor.
DPR: Entwickelt hat es sich eher zufällig. 2013 bat mich Ingrid Grabherr, damals 16, doch mal einen Blick in ihr Manuskript zu werfen. Ich habs getan und war beeindruckt. Daraus ist dann "Layla - Die Geliebte des Edelspielers" entstanden. Es sollte nicht mehr sein als eine einmalige Aktion, aber wie das halt so geht. Es spricht sich rum und irgendwie habe ich dann Anfragen weiterer junger Autorinnen bekommen. Und wieder war ich von der Qualität der Texte und dem Willen der jungen Autorinnen so beeindruckt, dass ich mich entschlossen habe, ihnen ein wenig unter die Arme zu greifen bei der Publikation. Sprich: Professionelles Lektorat, gute Cover etc. Und weil es nur Mädchen zwischen 14 und 20 waren, die mich kontaktiert hatten, nannten wir das Projekt "Fantasygirls" ;) Ich muss betonen, dass es ein privates Projekt ist und kein Verlag. Als Überbau dient die private Kooperative "Der Dritte Raum", in dem sich befreundete Autoren zusammengefunden haben, um sich gegenseitig zu unterstützen. In diesem Rahmen erscheinen also die Veröffentlichungen der Fantasygirls. Bislang haben wir 15 Bände - darunter 2 Lesebücher mit Textproben und kleineren Arbeiten - herausgebracht, drei weitere werden im ersten Halbjahr 2016 folgen.
H: Kann denn jedes junge Mädchen ein Fantasy Girl werden?
DPR: Jedes sicher nicht ;) Zum einen ist es schlicht eine Kapazitätsfrage, dass ich nicht alle Anfragen positiv bescheiden kann. Zum anderen muss man natürlich Bedingungen erfüllen. Talent ist die wichtigste, aber auch Beständigkeit und den Willen, an sich zu arbeiten. Das Talent muss auch in die Gruppe passen, also "teamfähig" sein. Im Moment sind die Chancen schlecht, einfach weil ich gerade mit elf jungen Autorinnen arbeite. Es muss auch eine gewisse Originalität vorhanden sein. Völlig unwichtig ist dagegen die "Verkäuflichkeit". Wir freuen uns zwar, wenn von einem Titel viel verkauft wird, aber darum geht es eigentlich nicht. Die Autorinnen sollen professionelle "Visitenkarten" bekommen für den Start in ihr Autorinnenleben. Wenn am Ende die Erlöse ungefähr die Kosten decken, ist es in Ordnung. Und das ist meistens so.
H: Nehmen wir mal an ich hätte eine Idee zu einem Buch und würde mich an dich wenden und du findest die Idee gut, meinen Schreibstil etwas ausbaufähig aber du erkennst potential. Wie läuft so was ab?
DPR: Dann würde ich dich bitten, erst mal zu versuchen, deine Idee in Worte zu fassen und anzufangen zu schreiben. Zwanzig, dreißig Seiten vielleicht. Wenn ich dann der Meinung wäre, dass du das hinkriegen kannst, würde ich dich beim weiteren Schreiben unterstützen. Ich würde dich eventuell auf Probleme mit dem Spannungsbogen hinweisen, einige Formulierungen korrigieren, dir auch sonst Tipps geben und notfalls auch deine Hand halten, wenn du glaubst, nicht mehr weiterzukommen ;) Irgendwann würden wir dann an die konkrete Veröffentlichungsarbeit gehen. Gemein mit unserer "Covertante" schauen, dass dein Buch auch ein schönes Cover bekommt etc. Wenn das Buch dann durch wäre, ginge es an Testleserinnen und ich würde ein zweites, sorgfältiges Lektorat beginnen. Tja, und dann würden wir das Buch schön setzen, die eBook-Datei herstellen und veröffentlichen ... Aber häufig läuft es so, dass mir Autorinnen bereits "fertige" Manuskripte schicken. Die durchlaufen dann zwei Lektorate. Im ersten werden Rechtschreibfehler getilgt, Formulierungen korrigiert etc. Im zweiten dann achte ich auch Plotschwächen und Spannungsbogen.
H: Man könnte dich also auch als Papa Bär der Fantasygirls bezeichnen J . Ist das ganze zu einem Herzensprojekt geworden?
DPR: So ungefähr, ja :D Und Herzensprojekt auf jeden Fall. Mit einigen der Mädchen arbeite ich ja schon länger zusammen, die zweiten oder wie bei Vivi sogar schon die 3. Bücher entstehen. Wir treffen uns auch jedes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse und im August 2015 gab es sogar ein "Schreibcamp" in Schleswig, an dem drei der Mädchen teilgenommen haben. Für 2016 ist wieder eins geplant, diesmal mit noch mehr Teilnehmerinnen. Zu dem Treffen 2015 ist sogar mein erster Fantasyroman "Die Einhornarmee" entstanden, in dem die Fantasygirls eine wichtige Rolle spielen ;)
H: Wird das Schreibcamp wieder in Schleswig stattfinden?
DPR: nein, wahrscheinlich in Franken, aber das steht noch nicht fest. Die Mädels haben die Planung selbst übernommen und sind noch mitten in der Arbeit ;)
H: Schade, sonnst wäre ich spionieren gekommen ;)
Die Selbstständigkeit der Mädchen scheint dir sehr wichtig zu sein. Gab es schon mal so richtige Reibungspunkte weil eine deiner Mädels partout deine Ratschläge nicht angenommen hat?
DPR: Nicht wirklich ;) Ich bemühe mich auch, möglichst nicht als Diktator aufzutreten (hoffe ich jedenfalls ...). Meine Aufgabe besteht darin, Erfahrungen wiederzugeben, als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und auch mal den einen oder anderen kleinen "Streit" in der Gruppe zu schlichten. Alles was halt so passieren kann, wenn ein Dutzend Mädchen auf einem Haufen zusammenkommen :D Aber grundsätzlich ist es so, dass sich die Mädchen gegenseitig helfen. Die Texte der anderen lesen und beurteilen, Tipps geben und auch mal trösten, wenns notwendig wird. Als kleines Helferlein habe ich einen "Schreibratgeber für junge Autorinnen" veröffentlicht, "Die Schule der fantastischen Mädchen".
H: Du schreibst ja auch selber, hast du denn noch genug Zeit für eigene Projekte?
DPR: Hm, ich versuchs :D Manchmal müssen die Fantasygirls ein wenig zurückstehen, weil ich ja zwischendurch Geld verdienen muss. Bei dieser Gelegenheit etwas sehr Wichtiges: Die Fantasygirls sind KEIN "Bezahlverlag". Die Mädchen müssen also nichts dafür zahlen, dass etwas von ihnen veröffentlicht wird. Ich erlebe immer wieder, dass mich Leute anschreiben und zuerst einmal fragen, was das denn kostet. Wer von dir Geld will, damit er etwas von dir veröffentlicht, ist IMMER unseriös! Ich schließe mit jedem Mädchen einen individuellen Vertrag und sie erhalten die üblichen Honorare für verkaufte Bücher.
H: Danke für die Warnung . Das ist schließlich wichtig für alle die noch planen ein Buch zu veröffentlichen.
Ich bin jetzt richtig gespannt auf deine Mädels, vielen Dank auch, dass du dir die Zeit genommen hast um mir was über dein Herzensprojekt und über dich zu erzählen.
DPR: Keine Ursache. Ich danke dir deine Zeit ;)
H: Möchtest du zum Abschluss all den Lesern noch was sagen?
DPR: Gerne. Ich möchte sie generell bitten, nicht nur die "Bestseller" zu lesen, jetzt mal ganz unabhängig von den Fantasygirls. Es gibt in der Literatur noch viele Ecken, in die es sich zu schauen lohnt. Gebt vor allem jungen Autorinnen und Autoren eine Chance. DAS sind nämlich die Bestsellerschreiber von morgen. Aber nur, wenn man sie schon in jungen Jahren fördert, sonst kann es passieren, dass sie deprimiert aufgeben. Und das wäre schade. Wir haben viele tolle Talente, aber es liegt bei euch, ob das so bleibt.

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