Sonntag, 24. April 2016

Chatinterview mit Mira Tal

Mira Tal hat erst letzen Monat ihren Debütroman Venus & Faunus - Der Deal - bei Cupido Books veröffentlicht. Einen Roman der viel Tiefgehender und Vielschichtiger ist, als er auf den ersten Blick scheint. Genau wie seine Autorin. Viel Spaß beim Lesen.
H: Hermine M: Mira Tal
H: Hallo Mira, Danke dass du dir die Zeit nimmst. Als aller erstes erzähl uns doch mal bitte was über dich, damit wir dich kennen lernen können.
M: Hallo Kira! Danke erstmal, dass ich die Möglichkeit habe, auf Deinem tollen Blog dieses Interview zu führen. Du hast mich in der Hinsicht gerade entjungfert ;) Klingt jetzt vermutlich schlimmer als es gemeint war. Egal. Also, ich bin 35, verheiratet und habe nur deshalb kein Haustier, weil ich zu chaotisch bin, um es anständig zu versorgen. Sagt zumindest mein Mann und der ist klüger und muss es wohl wissen ;) Gelernt habe ich etwas kaufmännisches, meine Leidenschaft sind aber - so wie bei vielen - Bücher.
H: Du schreibst ja unter einem Pseudonym, wieso hast du diese Entscheidung getroffen?
M: Das liegt in erster Linie daran, dass ich hauptsächlich einen kaufmännischen Beruf ausübe, von dem ich lebe. Der zweite Grund ist natürlich der Klang. Mein realer Name klingt nicht so sinnlich wie Mira Tal. Zudem habe ich das Pseudonym ganz bewusst erfunden und dafür sogar die Bedeutung recherchiert: Die griechische Bezeichnung für Mira bedeutet Schicksal und Tal bedeutet Morgentau. Das ist wunderschön, finde ich. Und passt einfach zu dem Konzept meiner ersten Reihe Venus & Faunus. Auch dazu gibt nämlich eine Hingergrundgeschichte, die mich inspiriert hat. In erster Linie geht es aber darum, dass ich im Büro nicht ständig mit meinem Autoren-Ich konfrontiert werden möchte (eine reine Präventivmaßnahme meinerseits). Mein Autoren-Ich ist etwas sehr intimes, dass ich nur mit Gleichgesinnten - also, meinen Leserinnen und Bloggern wie Dir - teilen möchte, weniger mit meinen Chefs ;)
H: Wie würdest du reagieren wenn du in der Tasche deines Chefs oder einer Kollegin dein Buch sehen würdest?
M: Ich würde mich heimlich freuen. Und hoffen, dass ich nicht schwach werde und darüber reden will :) Ich kann nämlich verdammt schlecht lügen. Dann wohl lieber schweigen.
H: In Venus & Faunus - Der Deal - geht es ja sehr multikulturell zu , wie kamst du auf die Idee so viele Kulturen zu mischen?
M: Für mich ist das die Realität. Wir leben global. Wir machen uns gar keine Gedanken mehr darüber, dass wir (manchmal mehrmals im Jahr) im Ausland Urlaub machen, oder sogar eine Zeit lang im Ausland leben. Es ist für mich, für meine Umgebung, ganz normal und war daher nicht abwegig. Ich lebe in einer internationalen Ehe und erlebe das jeden Tag. Außerdem finde ich, dass es mehr Spannung in die Geschichte bringt. Meine Protas bewegen sich weltweit und gerade im zweiten Teil merkt man die Unterschiede der Mentalitäten sehr stark: Italiener versus Deutscher versus Amerikaner. Wie stellt ihr euch das wohl vor? Auf einer höheren Ebene geht es mir dabei auch um Identität an sich. Wir sind so stark geprägt von unserer Vergangenheit, von den Lebensweisen, die unsere Eltern und Großeltern führen. Aber wie fühlen sich Menschen, die ihre Familie gar nicht kennen? Meine Hauptprotagonistin Gesa zum Beispiel (übrigens gibt es um den Namen ein Geheimnis, das ich bald lüften werde) : sie kennt ihre Familie mütterlicherseits gar nicht. Ihre Mutter war ein Heimkind. Und wer seine Vergangenheit nicht kennt, muss sich seine Identität selbst schaffen. Das macht diese Figur so spannend. Im ersten Teil war sie noch sehr im Hintergrund, tritt aber langsam hervor und wird meine LeserInnen hoffentlich vom Hocker hauen. Alles, was für uns selbstverständlich ist - z. B. zu sagen: Die Marotte habe ich von meiner Mama geerbt - das kann Gesa nicht zuordnen. Deshalb schlüpft sie auch so gerne in andere Rollen. Auf Identitätssuche und die Suche nach dem Seelenverwandten, der irgendwo da draußen ist, darauf baut die Reihe auch sehr stark auf, was im zweiten und dritten Teil noch deutlicher wird.
H: Generell ist dein Roman ja sehr vielschichtig, grade das würde man auf den ersten Blick nicht erwarten. Überraschst du gerne andere?
M: Ich spekuliere auf die Neugierde meiner Leserinnen. Mein Cover z. B. zeigt Cupid & Psyche - für mich das Liebespaar schlechthin. Da würde man nicht unbedingt auf direkte Erotik, also harte Worte wie F*** schließen. Ich finde aber, dass dieser Kontrast das wahre Leben ist. Eine platte Story kam für mich nie in Frage. Tiefe Blicke und ein zerstreutes Mädchen reichen mir nicht für eine erotische Liebesstory. Es gehört schon Karma dazu. Harte Realität, Emotionen und das Unerklärliche, das Mystische: Das macht unsere Welt doch aus. Es ist nicht alles schwarz-weiß und vieles ist verborgen, vieles begreifen wir nicht. Wie oft sagen wir z. B.: oh, so ein Zufall. Oder: das war Pech / Glück. Wenn etwas Bedeutendes passiert, nennen wir es plötzlich Schicksal. Das Leben ist so vielschichtig. Das wollte ich niederschreiben. Es fließen sozusagen mehrere Flüsse in meinen Geschichten, und die verlaufen nicht alle parallel. Manche(s) prallt aufeinander, Menschen müssen sich zusammentun, weil ein höheres Ziel sie dazu zwingt - dabei mögen sich die Protas nicht! Und was die Überraschung angeht: Ich freue mich schon wie ein Schneekönig auf die Reaktion meiner LeserInnen. Denn in den Rezis habe ich oft vorgefertigte Meinungen herausgelesen, die Überraschung wird also groß sein. Da es eine Reihe ist, die aufeinander aufbaut, wird das ein oder andere aber erst in Teil Drei gelüftet. In Teil Zwei wird es andere Überraschungen geben, böse und gute.
H: Weisst du denn schon ab wann man ca. mit dem zweiten Teil rechnen kann? Und gibt es schon einen Titel?
M: Ich habe aus der Bearbeitung des ersten Teils gelernt und möchte mich bzgl. eines Erscheinungsdatums nicht festlegen. Das ist ja auch Sache meines Verlags Cupido Books. Ich kann aber verraten, dass ich bereits an den Feinheiten arbeite und es bald ins Lektorat geht. Ein paar Monate wird es schon brauchen. Aber die Wartezeit können sich die LeserInnen ja mit Teil 1 versüßen ;) Auch was den Titel betrifft: da schwanke ich noch und werde meine Verlegerin Karin um Rat bitten. Es wird in jedem Fall düsterer, was sich auch am Titel bemerkbar machen wird. Teil Zwei wird auch über 400 Seiten stark, wobei ich als Schreiberling sehr viel gelernt und das Wissen umgesetzt habe. Ihr dürft euch also in der Hinsicht auch über eine gewisse Entwicklung freuen. Der Takt wird schneller. Das heißt, dass an gewissen Stellen eine Situation aus mehreren Perspektiven in kurzen Abständen (weiter)erzählt wird, bis es brodelt und dann zu einem Showdown kommt. Grundsätzlich bleibt es sinnlich, etwas mystisch und vielschichtig.
H: Wenn du dir einen Ort aussuchen dürftest, an den du reisen könntest, egal ob Fiktional oder Real, egal welches Zeitalter, wohin würdest du reisen?
M: Ich würde mich ins Jahr 1780 wünschen, direkt auf das Schiff von James Cook. Ich würde ihn davon abzuhalten versuchen, Hawaii nochmal anzusteuern, damit dieser brillante Entdecker und anbetungswürdige Mann heil zurück nach Hause käme. Passt jetzt gar nicht, ist aber so.
H: Und wenn du mit einem Mann deiner Wahl, egal ob Tod oder Lebendig einen Abend verbringen dürftest, wen würdest du wählen?
M: Hm, das ist schwierig, weil ich nur einen wählen darf. Vielleicht Leonardo Da Vinci. Den würde es bestimmt interessieren, mit wie vielen Ideen er richtig gelegen hatte. Oder dem Autor Georg Orwell, weil sich seine Dystopie über unsere Welt als immer wahrer herausstellt. Eine schwierige Entscheidung. Jetzt hätte ich vielleicht einen heißen Typen wählen sollen, stimmts? ;) Bin leider zu schüchtern für Nick Bateman
H: Du bist wirklich eine sehr Interessante Frau, die genau wie ihre Bücher voller Überraschungen steckt. Ich danke dir für das nette Interview. Möchtest du den Lesern noch was zum Abschluss sagen?
M: Vielen Dank für das tolle Gespräch, Kira. Ja, ein paar Dinge würde ich gerne an den Mann / die Frau bringen. Ich weiß ja, dass jeder da anders ist, aber wenn ich schreibe, sind das, wie ihr nun wisst, keine flachen Stories. Es gibt Feinheiten und es lohnt sich durchaus, auf die leisen Töne zu hören. Manche haben ja einen Sinn für die Botschaft zwischen den Zeilen bewiesen, aber andere haben vieles überlesen. Lasst euch auf die Geschichten ein und lasst euch hineinsaugen. Die Reihe baut ja aufeinander auf und fordert euch geradezu auf, das Lesen zu genießen. Nehmt euch gerne die Zeit dafür. Und auch was die Rezis nach dem Lesen angeht: Wenn ihr begeistert seid, dann freuen wir Autoren uns, wenn ihr das auch kundtut und euch 5 Minuten für eine ordentlich geschriebene Rezi nehmt. Das ist das größte Kompliment, das ihr uns machen könnt und die beste Motivation zum Weiterschreiben. Danke schön.

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